» Wertvolles Bindeglied zwischen Pädagogen und Flüchtlingen

Ehrenamtliche Jugendliche mit Migrationshintergrund unterstützen Integrationsprozess

Shervin Nouri ist eine Perle. Der 17-Jährige spricht englisch, deutsch und persisch, eine Sprache, die sich in seinem Geburtsland Iran als Farsi und in Afghanistan/Pakistan als Dari sehr ähnlich ist. Als täglicher Gast des Kinder- und Jugendzentrums des Paritätischen in Bad Bederkesa kümmert sich der Schüler schon länger um Übersetzungen und unterstützt jugendliche Flüchtlinge in Alltagsfragen. Seit dem 1. November erhält er dafür auch eine Aufwandsentschädigung über das Paritätische Jugendwerk/Paritätischer Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V. „Wir möchten diese so genannte peer-refugee-Maßnahme auf alle unsere Jugendtreffs im Landkreis ausweiten“, kündigt Abteilungsleiter Kai Uhlhorn vom Paritätischen an. Hintergrund: Immer mehr junge Flüchtlinge ohne Deutschkenntnisse mit unterschiedlichster Sozialisation besuchen derzeit die offene Kinder- und Jugendarbeit. Jugendliche mit Migrationshintergrund und ehemalige Flüchtlinge wie Shervin Nouri, die schon länger in Deutschland leben, leisten ehrenamtlich alltäglich Hilfen im Integrationsprozess. Als Bindeglied zwischen Flüchtlingen und Pädagogen vermitteln sie in Konflikten, erklären Abläufe und Strukturen und übersetzen. Mit Hilfe der finanziellen Aufwandsentschädigung erkennt man diese ehrenamtliche Tätigkeit an und findet noch mehr Kontinuität mit dem Ziel, die Jugendlichen später zu Jugendleitern weiterzubilden.

„Ich bin selbst vor zwei Jahren als Flüchtling nach Bederkesa gekommen, fühlte mich total fremd, konnte die Sprache nicht und wusste über nichts Bescheid“, erinnert sich Shervin Nouri. Im Kinder- und Jugendzentrum habe er sich aufgehoben gefühlt und komme seitdem regelmäßig hierher. „Ich helfe gerne“, sagt er und erzählt von zwei afghanischen Flüchtlingen, die in seine Schule gehen. „Wenn niemand für einen da ist, kommen Aggressionen auf. Manchmal denken sie, die Mädchen in der Klasse machen sich über sie lustig. Dann erkläre ich ihnen, dass das nicht stimmt und sage, dass sie auf die Deutschen zugehen sollten, Kontakt zu ihnen ist wichtig“, lächelt der 17-jährige und fordert einen deutschen Jugendlichen zum Billardspielen auf. Sein Klassenkamerad Abdul Mubin (16), der vor drei Monaten über die Balkanroute aus Afghanistan gekommen ist, nickt. Er sei dankbar für Hilfen in schulisch-fachlichen Fragen und für die lockere und offene Atmosphäre der Treffen im Kinder- und Jugendzentrum, übersetzt Shervin Nouri.

 Ein weiteres Beispiel für die Bedeutung seiner Tätigkeit: „Wir hatten hier vor einiger Zeit eine Schlägerei zwischen zwei Afghanen, die Shervin dann ruhig und sachlich schlichtete“, sagt Kai Uhlhorn. Am nächsten Tag hätten sich beide Kontrahenten in einem Gespräch mit allen pädagogischen Kräften vielmals entschuldigt. Auch der 23-jährige gebürtige Afghane Hussin Naderi, der seit seinem dritten Lebensjahr im Iran lebte und vor kurzem von dort nach Deutschland floh, profitiert von Shervins Unterstützung, hilft aber selbst ebenfalls schon, wo er kann. Dass auch kulturelle und soziale Verhaltensweisen erst erlernt werden müssen, zeigt sich im Alltag. So muss Hussin Naderi erst akzeptieren lernen, dass die Praktikantin Lara Däter „als Frau“ Laub harkt. „Dieses Verstehen, dass Frauen und Mädchen hier das gleiche dürfen wie Männer und Jungs, braucht Zeit“, weiß Shervin Nouri. Kai Uhlhorn möchte mit der Oberschule vereinbaren, dass die Sprachlernklasse der Oberschule nachmittags einmal wöchentlich verpflichtend ins Kinder- und Jugendzentrum kommt. „So schaffen wir es am ehesten, auch die Flüchtlingsmädchen hierher zu kriegen“, meint er.

Wie wichtig Hilfen in Alltagsfragen sind, zeigt das Beispiel Prepaid-Karten, die für Gespräche in die Heimatländer in Handys installiert werden müssten: „Nach deutschen Anleitungen für viele unmöglich“, weiß Kai Uhlhorn. Der arabisch verstehende Jugendleiter Ahmed Khamis hat nun feste Zeiten für die Installation und Erklärung eingerichtet und unterstützt jugendliche und erwachsene Syrer dabei. Für albanisch sprechende Flüchtlinge kann der Paritätische in Bad Bederkesa auf den Einsatz des erst zwölfjährigen Kejdi Mema setzen.

Text & Foto: Michaela Wehr

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