Kreisverband:
Paritätischer Fachtag "Teilhabe sichern, Integration fördern"

Herausforderungen bei der Unterstützung junger Geflüchteter

Seit dem Sommer 2015 haben rund 65.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF) Asylerstänträge in Deutschland gestellt. Im November 2015 startete die Verteilung auf alle Bundesländer und Jugendämter. Infolgedessen waren auch in Niedersachsen freie wie öffentliche Träger der Jugendhilfe intensiv damit beschäftigt, die Unterbringung und Versorgung der jungen Geflüchteten kurzfristig sicherzustellen. Zwar sinkt die Zahl der in Niedersachsen durch die Kinder- und Jugendhilfe begleiteten umF kontinuierlich - von knapp 5.400 Ende 2016 über rund 5.200 im März 2017 auf aktuell 4.750 - das Interesse an Informationen und Austausch an dem Thema ist aber nach wie vor groß. Dies zeigt auch die Resonanz auf einen Fachtag des Paritätischen Wohlfahrtsverband Niedersachsen e. V. am 23.11.2017 in Hannover:

Rund 120 Interessierte, vorrangig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Einrichtungen, Diensten sowie aus Jugendämtern, die mit jungen Geflüchteten arbeiten, nahmen an der von der Glücksspirale geförderten Veranstaltung im Freizeitheim Döhren in Hannover teil. "Das Land Niedersachsen hat sich in den vergangenen Jahren immer klar für die Zuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sowie den gleichberechtigten Zugang zu allen Angebotsformen der Kinder- und Jugendhilfe ausgesprochen. "Wir hoffen und erwarten, dass die neue Landesregierung hier Kurs hält", erklärte Anne Günther, Abteilungsleitung Mitgliederförderung beim Paritätischen Niedersachsen, in ihrem Grußwort und verdeutlichte noch einmal die Position des Landesverbands, der sich deutlich gegen eine "Zwei-Klassen-Jugendhilfe" ausspricht: "Jedes Kind, jeder Jugendliche, egal welcher Herkunft, soll entsprechend seines beziehungsweise ihres individuellen Bedarfs Zugang zu den Leistungen und der Unterstützung bekommen, die notwendig sind."

Fachlichen Input zur Einstimmung und Vertiefung des Themas erhielten die Teilnehmenden von zwei versierten Expertinnen und Experten. In seinem Vortrag mit dem Titel "Teilhabe junger Geflüchteter in Niedersachsen: Was kann, soll und muss die Kinder- und Jugendhilfe leisten?" forderte Prof. Dr. Wolfgang Schröer von der Universität Hildesheim die Akteure zum Innehalten auf. "Nach dem `muddling-through`müssen wir nun Erfahrungen auswerten, die Fachlichkeit stärken und gemeinsame Qualitätsstandards für die Arbeit entwickeln", sagte er und erinnerte eindrücklich an die Gesamtverantwortung der Kinder- und Jugendhilfe und ihren gesetztlichen Auftrag: "Wir können es nicht alleine schaffen, aber wir können gemeinsam mit willigen Partner vor Ort unterstützende Strukturen anregen und aufbauen." Im Anschluss sprach Nerea González Mèndez de Vigo vom Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge über die Herausforderungen beim Übergang junger Geflüchteter in ein eigenverantwortliches Leben. Hierbei hob sie die Bedeutung systematischer Übergangskonzepte hervor und verwies auf die zentrale Rolle der Hilfen für junge Volljährige nach § 41 SGB VIII. "Es handelt sich dabei um einen subjektiven Rechtsanspruch, der auch nicht an einen Mythos der Mitwirkungspflicht gekoppelt ist. Entscheidend ist die individuelle Situation", betonte Nerea González Méndez de Vigo. In vier Workshops am Nachmittag setzten sich die Teilnehmenden intensiv mit weiterführenden Fragen auseinander. Im Ergebnis stand ein gelungener Fachtag, der einmal mehr den hohen Bedarf an Austausch und Diskussion zu den Themen deutlich machte.